Die YEPs in Finnland

ZÜGE, FÄHREN UND ERSTAUNLICH WENIG VERSPÄTUNG

AN- & ABREISE

– Jona

Das Erste, was mein Mitbewohner mich fragte, als er erfuhr, dass ich vorhatte, mich einem Austausch mit Finnland anzuschließen, war: „Und wie fliegt ihr?“ „Gar nicht. Wir fahren mit der Bahn. Und mit dem Schiff.“

Um genauer zu sein, haben wir uns in Hamburg getroffen. Hamburg Hauptbahnhof, auf dem Gleis, auf dem unser Zug eigentlich so um 22 Uhr losfahren sollte – nur um dann erst um 23 Uhr anzukommen. Tja, aber immerhin konnten wir uns dann um 23 Uhr bettfertig machen. Große Empfehlung: Schlafabteile zu reservieren bei insgesamt drei Tagen Reise.

Irgendwann gegen 0 Uhr schlossen wir unsere Augen und wachten am nächsten Morgen auf, während an unseren Zugfenstern eine Landschaft vorbeischoss, die sich nur durch die vielen herumliegenden Steine und die gelegentlich auftauchenden roten Holzhäuser vom Schwarzwald unterschied. Traurigerweise kam irgendwann die Nachricht, dass unser Zug inzwischen zwei Stunden Verspätung hatte. Aber dann waren Kaffee und Tee umsonst – also Glück im Unglück.

Leider hieß das aber auch: weniger Zeit in Stockholm. Trotzdem konnten wir mit der Fähre im Hafen herumfahren und uns eine Insel mit einem Vergnügungspark und einem süßen kleinen Café ansehen – als Veganer*in nicht zu empfehlen, ich glaube, es gab Tee, das war’s dann aber auch. Das vegane All-you-can-eat-Restaurant, in dem wir am Abend gegessen haben, war dagegen sehr lecker und hatte eine tolle Aussicht über den Hafen.

Von da aus ging es weiter auf die Fähre nach Finnland. Als wir am nächsten Morgen gut ausgeschlafen Turku – und damit Finnland – erreichten, war die Stimmung gut, wobei ich sagen muss, dass „finnische Luft“ in einem Hafen nicht wirklich besser ist als die Luft im Schiff. Mit der Bahn ging es dann weiter durch Finnland, das gefühlt nur aus Seen und sehr gerade wachsenden Bäumen besteht. Nach einer Stunde Aufenthalt in der Nähe von Helsinki und etwa sieben Stunden Zugfahrt erreichten wir endlich unser Ziel: Kajaani.

Nur um dann festzustellen, dass wir noch ein bisschen Bus fahren mussten, um unseren vorläufigen Wohnort zu erreichen. Dafür schlossen sich uns auf der Busfahrt noch einige Finn*innen an. Erster Eindruck: eigentlich ganz nett. Vielleicht ein wenig schweigsam, aber wir hatten ja alle eine mehr oder weniger lange Reise hinter uns.

Die Rückreise begann gleich mit einer Überraschung: Es fehlten Leute im Bus. Dabei war am Tag davor gesagt worden: Um 5:30 fährt der Bus, egal, ob ihr da seid oder nicht. Genau das passierte dann auch. Zum Glück fehlten aber nur einige Finninnen – die verpassten wenigstens nicht ihre Fähre.

Der Rest der Reise verlief relativ unspektakulär. Abgesehen von einem Feuer zwischen Turku und Turku Satama, wegen dem wir kurz auf SEV wechseln mussten. Und dem kurzen Trip in den Regionalverkehr zwischen Malmö und Kopenhagen, weil wir keine Sitzplätze für diese eine Station mehr bekommen hatten. Genau wie bei der Hinreise trennten wir uns in Hamburg wieder – diesmal in eine Gruppe, die gleich weiterfuhr, und in eine, die noch in Hamburg blieb.

Aber nachdem alle heil wieder daheim ankamen, war die Reise ein voller Erfolg.

ERSTER GANZER TAG – SPIELEN, WANDERN, FINNISCHE MUSIK UND SAUNA

8:30 Uhr klingelt mein Wecker. Eigentlich hatte ich genug Schlaf, aber ich brauche trotzdem noch einen Moment, während Jasmin schon aufspringt, das Fenster öffnet und unseren Ausblick auf den See hier im Ukkohalla Resort genießt.

Nach einem richtig leckeren Buffet-Frühstück treffen wir uns auf dem Parkplatz vor der Unterkunft. In der großen Runde spielen wir ein paar Namens- und Kennenlernspiele, um uns an unserem ersten richtigen Tag besser einzustimmen. Bevor es schon wieder Mittagessen gibt, spiele ich mit ein paar anderen Uno Flip. Das Essen ist sehr gut, aber wir Deutschen müssen uns daran gewöhnen, dass es hier gleich vier Mahlzeiten am Tag gibt. Vor allem bei Buffet fällt es echt schwer, den Magen nicht komplett vollzuschlagen – besonders, wenn es so leckere vegane Bratlinge gibt.

Nach dem Mittagessen geht es ab in die Natur. Direkt an der Unterkunft starten wir los, und es geht gleich zu Beginn ziemlich steil den Berg hinauf. Danach verteilt sich unsere große Gruppe ein bisschen, und später laufen wir in kleineren Grüppchen weiter. Insgesamt sind es 13 km durch wunderschöne Wald- und Moorlandschaften. Da die Wanderung länger dauert als geplant, wird das eigentlich für 16 Uhr angesetzte Dinner auf 17 Uhr verschoben. Wir Deutschen sind nicht so traurig darüber, „erst“ um 17 Uhr Abend zu essen.

Nach dem Essen springen einige noch in den See neben der Unterkunft. Ich gönne mir kurz eine Pause, bevor die finnische Nacht beginnt: ein Kahoot-Quiz über Finnland (zum Glück mit Frieda an meiner Seite!) und danach finnische Memes auf YouTube. Der Höhepunkt sind zwei Finninnen, die uns auf Gitarre und Geige traditionelle Lieder vorspielen und teilweise singen. Ihr Talent überrascht mich total, und ich merke, was es für ein Privileg ist, hier zu sein – mitten in Finnland, in einer traumhaften Unterkunft, mit Blick auf den See – und zwei Finninnen, die mit Leidenschaft ihre Musik teilen. Das war wahrscheinlich mein Lieblingsteil des Tages, obwohl auch die Wanderung toll war.

Später probieren wir finnische Snacks und sitzen noch auf dem Balkon zusammen – die Kuchen waren der Hammer! Zum Abschluss geht es natürlich in die Sauna, das gehört ja eigentlich zur Finnland-Erfahrung dazu. Anfangs dauert es ein bisschen, bis alle sich sortiert haben, aber bald sitzen wir zu acht in einer Mini-Sauna, die eigentlich für vier Leute gedacht ist. Zwischen den Saunagängen springen wir immer wieder in den See, insgesamt waren bestimmt 10 bis 12 Leute abwechselnd in unserer Sauna. Aber es sind noch andere eingeheizt. Nach drei oder vier Runden reicht es mir – es ist schon halb zwölf.

Eigentlich wollte ich nur noch duschen und ins Bett, aber im Kühlschrank warten noch die Reste vom finnischen Abend-Snack. Also treffen sich nochmal ein paar Leute in unserem Zimmer, um einen super Mitternachtssnack zu schnabulieren, bevor wir um halb eins ins Bett fallen. Zum Glück startet der nächste Tag entspannt – Frühstück gibt es erst um 9 Uhr.

MONTAG

– Carolin Pfefferle

ORTSWECHSEL MIT RENTIEREN

Nach einer entspannenden Nacht in den super bequemen Appartementbetten war der erste wichtige Programmpunkt der Finnen natürlich das Breakfast. Am zweiten Tag unserer Finnlandreise fragten wir uns noch, wie wir in drei Stunden schon wieder Lunch essen sollten – im Verlauf unserer Finnlandreise erübrigte sich dieser Gedanke jedoch schnell.

Nach dem Frühstück hieß es schon packen, und bis alle beim Bus angekommen und abfahrbereit waren, wurde noch Ninja gespielt. Hier ging es heiß her. Während der ca. zweistündigen Busfahrt nach Koillismaa entspannten sich alle wieder.

Große Verwunderung gab es, als wir plötzlich anhielten und vor lauter Vogelscheuchen standen. Viele von uns suchten nach einem Sinn dieser bekleideten Hölzer, während andere es gar nicht erst versuchten und sich gleich einen leckeren Pfannkuchen gönnten. Es stellte sich heraus, dass wir vor einem großen Kunstwerk, den „Silent People“, standen.

Als alle wieder im Bus verfrachtet waren, ging es weiter nach Norden. Als Überraschung hielten wir in einem echten finnischen Supermarkt. Dort gönnten sich die Teilnehmenden finnische Süßigkeiten wie Salmiakki. Die 300-Gramm-Marabou-Big-Taste-Oreo-Schokolade fand aber auch ausgesprochen viele Fans.

Als wir in unserer Unterkunft in Oivanki ankamen, wurde sofort klar, dass wir in den nächsten Tagen verwöhnt werden würden. Das vegane Essen war wirklich lecker, und das selbstgemachte Knäckebrot ließ einige sofort nach dem Rezept fragen. Auch die vielen Rentiere auf dem Unterkunftsgelände brachten uns Deutschen in helle Aufregung.

Nach der etwas komplizierten Zimmeraufteilung hatten wir Free Time. Auf dem Volleyballfeld wurde sich gleich zusammengefunden, während andere Billard oder Frisbee-Golf spielten. Nach dem anschließenden Evening Snack ging es für die meisten in die Sauna. Hier wurde der Abend gemeinsam schwitzend ausgeklungen.

DIENSTAG

– Lilly Möhle

WANDERN, RAFTING & FINNISCHE MUSIK

Der heutige Tag des Austauschs begann um 8:15 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück im Speiseraum unserer Unterkunft in Oivanki.

Nach dem Frühstück fuhren wir in den Oulanka-Nationalpark. Der Weg war für uns schon ein Highlight, da wir aus dem Bus bereits einige Rentiere sehen konnten. Im Nationalpark angekommen, machten wir eine etwa sieben Kilometer lange Wanderung, bei der uns Panu, unser Guide, einiges über die Gegend erzählte. Nach der Hälfte der Strecke machten wir an einer überdachten Hütte mit Feuerstelle eine Pause. Dort grillten wir und aßen unser eingepacktes Vesper.

Auf dem Rückweg der Wanderung hatten wir noch eine besondere Begegnung, denn uns liefen zwei Rentiere – eine Mutter und ihr Kalb – über den Weg. Die Tiere ließen sich in Ruhe beobachten und fotografieren, bevor sie weiterzogen.

Nach der Wanderung fuhren wir rund 15 Minuten zu einem nahegelegenen Startpunkt für unsere Raftingtour. Dort angekommen, wurden wir mit Gummistiefeln, Helmen und Schwimmwesten ausgestattet. Startklar für unsere Tour teilten wir uns in drei Gruppen mit jeweils acht Personen auf die Schlauchboote auf. Nach einer kurzen Einweisung der Skipper machten wir uns dann auf den Weg.

Während der Tour galt es, sechs bis sieben Stromschnellen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade zu durchqueren. Zwischen den Stromschnellen mussten wir hin und wieder längere Passagen über Seen zurücklegen; daher sind die Raftingboote in dieser Region mit Motoren ausgestattet. Die Zeit, während wir über die Seen fuhren, nutzten wir, um die beeindruckende Natur um die Seen herum zu genießen. Ein Highlight der bisherigen Woche, das wir sicherlich noch lange in Erinnerung behalten.

Nach dem Ende der Tour brachte uns der Bus wieder zurück zur Unterkunft. Vor Ort angekommen, gab es Abendessen. Der restliche Tag stand zur freien Verfügung. Diese Zeit nutzten wir für verschiedene Freizeitaktivitäten, die wir an unserer Unterkunft machen konnten, wie zum Beispiel Volleyball, Ruderboot fahren, Schwimmen, Tennis oder Minigolf.

Die gemeinsame Zeit war richtig schön und eine super Gelegenheit, mit den Finninnen ins Gespräch zu kommen. Nach dem zweiten Abendessen, dem Evening Snack, ließen wir den Abend beim täglichen Saunieren und bei Gesellschaftsspielen im Aufenthaltsraum ausklingen. Wir saßen noch gemütlich zusammen, hörten finnische und deutsche Musik, und einige tanzten spontan ein wenig, um die letzte Energie des Tages loszuwerden.

Insgesamt war es ein sehr erlebnisreicher Tag mit einer tollen Kombination aus Naturerlebnissen, sportlichen Aktivitäten und Freizeit.

MITTWOCH

– Silas Steinwenger

WERKELN, LERNEN, BIRKENSTÖCKE

Weiter ging es am Donnerstag mit einem Tag voller Inspiration, handwerklichem kreativen Arbeiten und Spaß. Über den Tag verteilt durften wir uns in drei verschiedenen Workshops einbringen und hatten so einen sehr erlebnisreichen Tag, den wir in Kleingruppen verbracht haben. Dabei stand Teamarbeit und Lust, Neues zu entdecken im Vordergrund, denn nur so konnte man das Beste aus diesen drei Workshops mitnehmen.

Der erste Workshop bestand darin, dass wir den ganzen Tag lang einen kleinen künstlich angelegten Strand „renoviert“ haben – d. h. Gras entfernt, Sand gerecht und so den Strand wieder nutzbar gemacht haben. In diesem Workshop war viel körperlicher Einsatz gefragt und besonders auch Motivation, um tatkräftig beim Aufhübschen mitzuhelfen.

Nach drei Schichten aller Teams in diesem Workshop ist der Strand nun wieder nutzbar, was besonders toll ist für Schulklassen, die das Jugendherbergszentrum besuchen, da dieser Strand einen abgesicherten Bereich für Nichtschwimmer bietet. Zwei Stunden nach Beginn der ersten Schicht war der Workshop für die Kleingruppe 1 gemeistert und nach einer Mittagspause ging es weiter zum Insektenhotels bauen.

Mitten im Wald wurde dann in zwei bis vier Personen-Gruppen gewerkelt, was das Zeugs hielt. Alle, ob mit oder ohne handwerkliche Vorerfahrung, hatten eine große Freude daran, aus wenigen Dezimetern Holz, ein wenig Draht zur Verkleidung der offenen Seiten und selbstgesammelten Naturmaterialien wie Moos, Kiefernzapfen und Rinde ein kleines Luxusresort für Insekten und andere kleine Natur-Bewohnern zu erschaffen.

In dem Workshop sind einige über ihre Grenzen hinausgestoßen und haben gelernt, dass man auch solche kleinen Bauprojekte umsetzen kann, ohne das größte Know-How oder handwerkliche Geschick zu haben. Auch war es super inspirierend, mit den eigenen Händen und sehr viel Teamwork diesen Workshop gemeinsam zu bestreiten. Am Ende war zwar der Zeitdruck groß und manch Nagel wurde krumm und schepps reingehauen, aber das Ergebnis von ungefähr zwölf kleinen, mit Liebe gebastelten Insektenhäuschen war wunderschön, und wir hoffen, damit etwas zum Schutz der Biodiversität beigetragen zu haben.

Anschließend folgte der dritte und letzte Workshop: Eine Mitarbeiterin nahm uns mit auf eine Tour durch den nahegelegenen Wald, wo sie uns eine Menge über die Flora von dort erzählt hat. Besonders im Fokus war dabei das Erleben der Natur durch den Sinn „schmecken“, da sie uns viele essbare Beerenarten vorgestellt hat, die wir anschließend probiert haben.

Darunter die typisch finnische Wolkenbeere, die kleine wilde Schwester der Heidelbeere oder auch Preiselbeeren und allerlei andere. Ein besonderes Highlight war hierbei ein Abstecher auf eine kleine moosbewachsene Lichtung, große bewuselte Ameisenhäufen und natürlich das Suchen und Pflücken der Beeren. Auch durften wir Teilnehmer Fragen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Finnische Natur oder Verlust der Biodiversität stellen und konnten so jede Menge Neues lernen.

Nach diesem dritten Workshop waren alle Teilnehmenden sehr zufrieden mit dem ganzen Input und waren sich einig, an diesem Tag viel Neues gelernt und entdeckt zu haben.

Nach den Workshops gab es dann die weiteren Mahlzeiten, „Dinner“ & „Snack“, sowie Freizeit, die verschieden verbracht wurde, wie beispielsweise mit Minigolf spielen, Baden gehen, Karten spielen und dem allabendlichen Saunagang und. In der Sauna wurde uns an diesem Abend der finnische Mittsommer-Brauch gezeigt, sich mit Birkenstöckchen auf den Rücken zu klopfen, was unseren Blutkreislauf angeregt hat, sehr entspannend war und einen angenehmen nach Wald duftenden Geruch in der Sauna verbreitet hat.

Danach waren alle nach diesem ereignisreichen Tag dann auch bereit, für den vorletzten Tag in Finnland zumindest noch ein paar Stunden Schlaf zu sammeln.

DONNERSTAG

– Frieda Spohr

ZWISCHEN VIEL FREIZEIT, SCHÖNEN AUSSICHTEN UND WARMEN ZELTEN

Der Freitag fing sehr locker an, mit zwei Stunden Freizeit nach dem Frühstück. Einige nutzten die Zeit perfekt dazu, um Schlaf nachzuholen, während andere die Sonne am See beim Rudern genossen oder – wie ich – Tennis und Karten spielten.

Nach dem leckeren Mittagessen um 11:30 Uhr ging es schon mit dem Bus los zum Ruka-Ski-Resort, bei dem es eine Vielfalt an Angeboten wie zum Beispiel Bobbahnfahren gab, die wir eigenständig aussuchen konnten.

Schlussendlich entschieden sich die meisten dazu, sich in den Läden umzuschauen, die Puderzucker-Challenge in finnischen Cafés auszuprobieren (versuchen, das Gebäck zu essen, ohne dass das Gesicht voller Puderzucker wird) oder eine kleine Wanderung zu machen und den Ausblick zu genießen.

Danach fuhren wir alle wieder gemeinsam zu einem Aussichtspunkt (Rukapeak), um vor der hübschen Landschaft ein Gruppenbild zu machen und dann zu einem weiteren Aussichtspunkt zu laufen. Selbstverständlich durften wir auch wieder Rentiere von ganz nah sehen.

Anschließend konnte man sich in einem Supermarkt Snacks bzw. Essen für die Rückfahrt kaufen – spannend, die Unterschiede zu unseren Supermärkten in Deutschland zu entdecken.

Zurück an der Unterkunft aßen wir zunächst und bauten dann in zwei Teams Militärzelte auf. Team 1 entschied sich, sein Zelt direkt am See aufzubauen, während das andere Team einen gemütlichen, moosbedeckten Boden wählte. Leider setzte währenddessen der Regen ein, sodass wir alle klatschnass wurden und etwas Zeitdruck hatten, aber es war auch lustig. Team 2 schaffte es leider nicht ganz, den Zeltboden trocken zu halten, aber am Ende standen beide Zelte.

Die Zelte waren recht groß, und in der Mitte gab es Platz für einen Feuerofen samt Abluftrohr. Nachdem wir dann auch unsere „Wache“-Zeiten eingeteilt hatten – wer wann das Feuer im Zelt bewachte –, blieb wieder Freizeit.

Wir spielten Spiele, gingen in die Sauna und machten selbst Pfannkuchen. Wir gingen alle zu unterschiedlichen Zeiten schlafen. Manche verbrachten noch Zeit im Gesellschaftsraum, andere führten schöne Deep Talks im Zelt. Ein Zelt machte gar kein Feuer an, da es auch so schon warm genug war, und auch das andere Zelt hatte nur anfangs und zwischendurch das Feuer an, um unter anderem den Boden wieder zu trocknen.

Wenn man mich fragt, war es sehr gemütlich in den Zelten, und ich konnte auch die ganze Nacht durchschlafen. Es war auf jeden Fall eine coole Erfahrung, mal in so einem Zelt zu schlafen – und für mich definitiv ein Highlight des Tages!

FREITAG

– Arya Mehta

SCHMUCK UND FINNISCHE VOLKSTÄNZE

Nach der Nacht in den Zelten ging es zum letzten Mal um Viertel nach acht zum Frühstück. Gestärkt davon machten sich alle daran, die Zelte und deren Inhalt aufzuräumen und abzubauen. Anschließend wurden die Zelte nach dem regnerischen Vortag zum Trocknen aufgehängt.

Bis zum Mittagessen nutzten einige ihre freie Zeit, um zum Beispiel Tischtennis und Hockey zu spielen oder sich zu entspannen. Nach dem Mittagessen hatten alle Zeit, ihre Sachen zu packen, aufzuräumen und sich auf die frühe Abfahrt am nächsten Tag vorzubereiten.

Anschließend ging es zum Jewelry-Workshop. Dort wurden Ketten mit einem kleinen Stein hergestellt. Durch mehrmaliges Polieren mit Schleifpapier in verschiedenen Feinheitsstufen wurden die Steine bearbeitet, bis sie eine glänzende Oberfläche hatten. Anschließend wurden sie in eine Fassung eingesetzt, mit der man sie an der Kette befestigen konnte.

Daraufhin ließ man die Woche kurz in großer Runde Revue passieren. Danach ging es zum Evening Snack und anschließend ein letztes Mal in die Sauna.

Zum Abschluss des Tages trafen sich alle im Gemeinschaftsraum und tanzten dann einen traditionellen finnischen Volkstanz, unterhielten sich und spielten Spiele.

SAMSTAG

– Simon Hülsheger

ZWISCHEN TRÄNEN DES ABSCHIEDS & TRÄNEN DER FREUDE

Als ich am 08.08. um 22 Uhr am Hamburger Hauptbahnhof stand und mit den anderen auf den Zug Richtung Stockholm wartete, war ich müde, aber auch voller Vorfreude. Zum ersten Mal „alleine“ so weit weg von zu Hause – und dann nach Skandinavien, wo ich schon seit Jahren hinwollte.

Ich hatte kein großes Vorwissen über das Land, keine Erwartungen, nur die Hoffnung, dass es eine unvergessliche Zeit wird. Und genau so kam es: Zwei Wochen später blicke ich zurück auf viele Momente, die ich niemals vergessen werde.

Schon beim ersten Zusammentreffen mit den Finnen fiel mir die Sprache auf. Sie wirkte für mich anfangs echt schwer, vor allem zum Sprechen. Namen wie „Tytti“ konnte ich anfangs ganz sicher nicht richtig aussprechen. Doch gerade das machte mich neugierig. Ich begann schon am zweiten Abend damit, einfache Wörter und Sätze auf Finnisch zu lernen.

So wurde die Sprachbarriere nach und nach kleiner, und ich konnte nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Finnisch mit den Finnen ins Gespräch kommen. In Summe habe ich wohl mehr mit den Finnen geredet – upsi.

Die finnische Landschaft hat mir sehr gefallen. Es gibt zwar auch in Deutschland viele Wälder wie dort, aber die vielen Seen waren für mich etwas Besonderes. Ich fand es schön, darin zu schwimmen, mit dem Boot rauszufahren oder sie einfach nur bei einer Wanderung zu sehen. Mit dem Boot rauszufahren oder Volleyball zu spielen mit der Aussicht auf einen See im Abendgrauen waren für mich definitiv Highlights der Reise.

Ebenfalls ein Highlight für mich war der finnische Kulturabend, an dem wir verschiedenes finnisches Essen und Süßigkeiten probieren konnten. Die Finnen haben bestimmt über unsere teilweise verzogenen Gesichter geschmunzelt – zumindest über meins –, denn Lakritz, das sie anscheinend wirklich gerne essen, ist echt nicht mein Fall. Ansonsten fand ich das Essen aber richtig lecker.

Besonders schön war außerdem die musikalische Darbietung an diesem Abend. Und als wir am letzten Tag auch noch einen finnischen Volkstanz lernten, war das für mich ein weiterer toller Moment.

Auf unseren Wanderungen sind uns auch ziemlich schnell die Rentiere (finnisch: poro) aufgefallen. Wir haben sie bei Wanderungen, auf Busfahrten (der Busfahrer musste öfter bremsen) und sogar direkt an unserer Unterkunft gesehen. Einmal lief eins sogar eine Treppe hoch bis auf eine Terrasse. Sie kamen uns allgemein sehr nah, und ich fand sie echt süß. Für uns war das etwas Besonderes, für die Finnen dagegen nichts Ungewöhnliches, weil sie Rentiere einfach regelmäßig im Alltag sahen.

Außerdem habe ich noch ein paar andere tolle Tiere gesehen, wie zum Beispiel Kröten (finnisch: rupikonna), Nacht- und Tagfalter (finnisch: perhonen) oder frei herumlaufende Hasen (finnisch: kani).

Ganz besonders in Erinnerung geblieben sind mir aber die Stechmücken. Davon gab es wirklich viele draußen, vor allem im Wald, war man nirgendwo sicher vor ihnen. Die werde ich definitiv nicht vermissen.

Was ich aber definitiv vermissen werde, sind die Menschen. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, gemeinsam Volleyball zu spielen, zu singen, Karten zu spielen, Finnisch zu lernen und all diese Erinnerungen miteinander zu teilen. Ich freue mich sehr darauf, alle nächstes Jahr wiederzusehen.

Außerdem war es zwar mein erstes Mal in Finnland, aber ganz sicher nicht mein letztes.

REFLEXION

– Cuqui Trautmann

GEMEINSAMES SCHWITZEN VERBINDET – EINE REISE VOLLER LACHEN UND LERNEN

Ganz schön heiß, denke ich und versuche, das schmerzhafte Brennen in meinem Gesicht zu ignorieren. Doch Tytti schwingt unbeirrt ihre Schöpfkelle mit dem Aufgusswasser auf die heißen Steine. Paff.

Der Dampf verteilt sich mit einem zischenden Geräusch in dem kleinen hölzernen Raum mit Glastür. „Ich glaub’, ich brauch ’ne Pause“, sage ich auf Englisch und bin tatsächlich überrascht, als ich die irritierten Blicke der drei finnischen Mädels, die mit mir in der Sauna sitzen, sehe.

„Was, jetzt schon?“, fragt die eine ungläubig. Die andere lacht und fragt, ob ich scherze.

Das war mein erster Abend in Finnland – einem so interessanten Land, in dem Saunieren so selbstverständlich dazugehört wie bei uns die Butter aufs Brot.

Dabei war ich ziemlich stolz auf meine Leistung! Ich fand mich ganz schön ausdauernd, bei der Hitze so lange auszuharren. Aber Hitzeempfinden ist wohl vielseitig wahrnehmbar. Zum Glück waren die finnischen Mädels doch kompromissbereit, und wir einigten uns auf eine kleine Pause.

Ich öffnete die Terrassentür und schaute auf einen der 188.000 Seen Finnlands, in dem sich die Sterne spiegelten. Für mich ein Luxus, für Finnland quasi eine Selbstverständlichkeit: Sauna im eigenen Haus und ein See vor der Haustür. Wie schön das Leben sein kann!

Und wie ungewohnt erste Begegnungen – nackt, schwitzend und dann gemeinsam lachend ins eiskalte Wasser springen. Hand in Hand mit einer fremden jungen Frau, die sich jetzt schon wie eine Freundin anfühlte.

Ich lernte Menschen kennen, die irritiert davon waren, dass ich keine eigene Sauna besitze, dass nicht jede meiner Lieblingssüßigkeiten nach Lakritz schmeckt, dass wir bei jedem Rentier, das wir sahen, vor Begeisterung fast in Ohnmacht fielen – und davon, dass bei uns kaum einer zum Militär geht.

„Und wer verteidigt euch dann, wenn Russland euch angreift?“, fragte mich beim Abendessen eine junge Finnin, die freiwillig zum Militär gehen wird und deswegen wahrscheinlich nicht nach Deutschland mitkommen kann nächstes Jahr. Militärdienst hat in Finnland einen ganz anderen Ruf und einen ganz anderen Stellenwert als bei uns in Deutschland – nachvollziehbar bei der geografischen und historischen Lage Finnlands.

Das war eines der vielen neuen Dinge, die ich lernte und die mich zum Nachdenken anregten.

Mein Körper gewöhnte sich an die abendliche Hitze beim gemeinsamen Schwitzen, meine Ohren an die unglaubliche Ruhe – und daran, dass es sich auch mal lohnt, einfach zu schweigen. Ich gewöhnte mich sogar an die vielen Rentiere mit ihren bunten Halsbändern und daran, dass der Bus regelmäßig eine Vollbremsung einlegen musste, weil mal wieder eines wie selbstverständlich auf der Straße stand und sich auch nicht von einem zwölf Meter langen Reisebus aus der Ruhe bringen ließ.

Über unsere hysterischen Schreie vor lauter Entzückung konnten die Finnen nur den Kopf schütteln. Ich bin gespannt, worüber ich nächstes Jahr den Kopf schütteln werde. Eines habe ich auf jeden Fall gelernt: Man lernt nie aus!

Finnland, ich danke dir für deine Ruhe, deine tiefen Seen, deine Blaubeeren, die ich pflücken durfte, deine Rentiere, deine Saunen und deine Landsleute, die trotz Sprachbarrieren nächtelang mit mir gequatscht haben.

Ich freue mich auf nächstes Jahr bei uns im musta metsä (Schwarzwald)!

Abenteuer Schwarzwald